Text zur Beteiligung an der DGB Demo

Nicht alle Gruppen der Initiative für einen Revolutionären 1. Mai in Stuttgart rufen in diesem Jahr zu einer Beteiligung an der Gewerkschaftsdemonstration in Stuttgart auf. Wir halten einen offenen Umgang mit unseren Widersprüchen für richtig und veröffentlichen hier (verkürzt) zwei der unterschiedlichen Positionierungen zu dieser Frage.


Zwei Standpunkte zur Beteiligung an der 1. Mai Demonstration:

Pro:

Der erste Mai ist ein Symbol der ArbeiterInnenbewegung, ein Symbol für den internationalen Kampf zu ihrer Befreiung. Er ist mit der Erinnerung an harte Kämpfe und Opfer verbunden,
an Errungenschaften wie den 8-Stunden- Tag und an schmählichen Verrat. 1933 feierten die Gewerkschaftsbosse mit den Nazis, um tags darauf selbst zum Opfer zu werden.
Wir verteidigen die Errungenschaften der ArbeiterInnenbewegung. Gegen die Angriffe des Kapitals, aber auch gegen diejenigen in den Gewerkschaften, die sie für kurzfristige
Atempausen opfern oder durch Unfähigkeit oder Untätigkeit verspielen. Wir verteidigen seinen internationalen Charakter. Deshalb bekämpfen wir Standortpatriotismus, Nationalismus und
Chauvinismus - gerade auch in den Reihen der Gewerkschaften selbst.

Wir verteidigen die revolutionäre Tradition der ArbeiterInnenbewegung. Deshalb organisieren wir eine revolutionäre Demonstration und Kundgebungen, bei denen die kapitalistische Ausbeutung angegriffen wird und wir nicht nur fordern, dass wir dabei unsere Würde behalten sollen. Dies ist kein Widerspruch zur Arbeit in den Gewerkschaften, im Gegenteil: Gerade innerhalb der Gewerkschaften und auch auf den Demonstrationen gilt es, im Widerspruch zur Politik der Gewerkschaftsbosse, klassenkämpferische und revolutionäre Positionen zu vertreten und zu vermitteln. Wir bekämpfen die Bürokratie in den Reihen der Gewerkschaften, die ihren Frieden mit dem Kapital und seinem Staat geschlossen hat. Aber wir wollen die ArbeiterInnenklasse, die sich in den Gewerkschaften organisiert, für den Kampf gegen den Kapitalismus gewinnen. Deshalb gehen wir zur Demonstration des DGB, weil dort unsere Kolleginnen und Kollegen sind und mobilisieren auch in unseren Betrieben dafür.

Wir kämpfen für die Demokratie in den Gewerkschaften. Alle Strömungen müssen das Recht haben, auf der 1. Mai Kundgebung zu reden. Heute verhindert der DGB dies – daher geben wir mit unserer 1. Mai Demonstration Revolutionären und Linken ein Forum.

Gruppe Arbeitermacht
AG Weisse Fabrik
Revolutionäre Aktion Stuttgart


Contra:

Unsere Haltung zu den DGB-Aktionen, und dazu zählen auch die Aktivitäten um den 1.Mai, ist eine taktische Frage.

Warum lehnen wir es ab uns im Nachtrab an dem DGB 1.Mai zu beteiligen?

1. Der DGB ist eine auf Sozialpartnerschaft mit dem Kapital ausgerichtete Organisation. Er sucht den Interessenausgleich mit dem Kapital und nicht die Befreiung der Arbeiterklasse durch die Überwindung des
Kapitals. Die Möglichkeiten des gewerkschaftlichen Kampfes um weitestgehende Forderungen, der Kampf um weitestgehende Verbesserungen der Lebens- und Arbeitsbedingungen des Proletariats werden vom DGB selbst torpediert, verraten oder nur halbherzig, auf Grund des Druckes von der Basis, durchgeführt. Die Verlängerung der Wochen- und bald beschlossenen Lebensarbeitszeit sind einige Zeugnisse für das Einknicken des DGB vor dem Kapital. Diese Liste kann noch um Seiten verlängert werden.

In Stuttgart vermag es der DGB gerade eine kleine Anzahl Teilnehmer, in der Mehrheit Funktionäre des DGB, zum 1.Mai zu mobilisieren. Darüber hinaus gibt es keine Beteiligung der Massen. Beim letzten 1. Mai 2005 nahmen ca. 1000 Demonstranten teil. Der Großteil dieser Demonstranten ist aus dem Umfeld revolutionärer Organisationen. Die Revolutionären haben bei dem DGB 1.Mai keine Rechte außer sich an den Schwanz des DGB anzuhängen. Auf dem Kundgebungsplatz haben sie kein Rederecht. Während der Demo sind Megafone verboten. Der DGB verhängt allen Revolutionären einen Maulkorb.

2. Die Revolutionären Kräfte können und müssen mit ihren heutigen Kräften eigene, vom DGB unabhängige Aktionen/Bündnisse starten. Wir können und müssen auch in der Praxis revolutionäre Alternativen bieten. Das verstehen wir als unsere Pflicht als Revolutionäre. Wir können bei unseren Aktionen unzensiert revolutionäre Propaganda machen.

Was für ein Bild vermitteln wir, wenn wir hinter dem DGB nachtraben?

Wir geben die Botschaft, dass der DGB uns nahe steht, wir ihn unterstützen. Wir sind das Feigenblatt, das die sozialpartnerschaftliche, korrupte, arbeiteraristokratische Politik des DGB deckelt. Wir meinen, unter den heutigen Bedingungen mit dem DGB zu laufen, schwächt die revolutionäre Position, stärkt aber die Co-Management Politik des DGB. Da wo es kräftemäßig möglich ist, müssen wir eigene revolutionäre 1. Mai Aktionen auf die Beine stellen.

Trotz Alledem

 

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